Projekte in Indonesien
Blinden- und Berufsschule in Medan
Das 1978 von der HBM eröffnete Blindenausbildungswerk „Yayasan Pendidikan Tunanetra Sumatera“ in Tanjung Morawa liegt etwa 21 km östlich von Medan auf der Insel Sumatra.
Im Internat der Blindenschule und in der Berufsschule wohnen zurzeit 82 Jungen und Mädchen. 40 Mitarbeitende (1 Leiter, 25 Lehrer/innen sowie 14 Angestellte darunter Köchinnen und Hausmütter) begleiten, unterrichten und fördern die blinden Kinder und Jugendlichen und leben mit ihnen. Aufgenommen werden alle blinden und sehbehinderten Kinder- unabhängig davon welcher Religion sie angehören, die teilweise in der Schule abgegeben werden, da ihre Eltern sie nicht mehr versorgen können oder wollen. Einige fahren in den Ferien nach Hause.
In der Blindenschule werden die Kinder nach einem selbst entwickelten Lehrplan, der sich an den Lehrplänen der staatlichen Regelschulen orientiert, unterricht. Für Blindenschulen in Indonesien gibt es keine vom Staat vorgegebenen Lehrpläne. Die fitteren blinden Kinder des Internats sind in staatlichen Schulen integriert und besuchen diese eigenständig. Die Schüler, die in diesen Schulen nicht mithalten können, da sie als Blinde oftmals mehr Zeit benötigen, werden in der eigenen, dem Internat angehörigen, Blindenschule unterrichtet.
Nach dem Schulabschluß haben die Jugendlichen die Möglichkeit in handwerklichen und landwirtschaftlichen Tätigkeiten und Kenntnissen ausgebildet zu werden und in der Berufsschule einen Beruf zu erlernen.
Die HBM unterstützt auch Schulabgänger, die studieren möchten mit einem Stipendium.
Auf dem Schulgelände befinden sich zahlreiche Gebäude: Wohnhäuser, Unterrichtsräume, Gemeinschaftsräume, Büros und Sitzungsräume, Wohnungen für Angestellte und sogar eine Kirche.
Besonders erwähnenswert ist der Chor der Schule, der bereits mehrere CDs herausgebracht und sich in und um Medan einen Namen gemacht hat. Auf dem Schulgelände erklingt in jeder freien Minute von irgendwoher Musik.
Die Blindeneinrichtung finanziert ihre Arbeit fast zur Hälfte durch den Verkauf von selbst produzierten Waren. Die andere Hälfte trägt die HBM. Durch Spendengelder aus Deutschland ist es uns möglich diese große Einrichtung mitzutragen.
Durch verstärkte Spendenwerbung läßt sich erfreulicherweise beobachten, daß die Blindenschule einen festen Platz in der indonesischen Gesellschaft hat. Der Staat hat unsere Schule anerkannt und unterstützt sie, allerdings nicht so gut wie islamische und staatliche Schulen.
Aus Spendenmitteln in Höhe von über 15.000 € wurden neue Musikinstrumente angeschafft, die Musikräume schallisoliert und ein zusätzlicher Musiklehrer eingestellt. Weiterhin finanzierte die HBM die Einrichtung von 8 speziell für Blinde ausgestatteten PC-Plätzen.
In den Jahren 2006–2008 finanzierte die HBM den Neubau von 4 Wohnhäusern für die Kinder der Blindenschule. Auch konnte durch die HBM der Blindenschriftdrucker der Schule, der das Unterrichtsmaterial herstellt repariert werden. Im Jahr 2009 wurde der Sumpf hinter den Jungen- und Mädchenhäuser trocken gelegt, um der Mücken und möglichen Krankheiten Herr zu werden.
Dringend erforderlich war der Bau einer Fußgängerbrücke, die die Blindenschule mit der Berufsschule verbindet. Die verkehrsreichste Straße der Insel Sumatra verläuft mitten durch das Grundstück der Schule. Bereits Ende 2006 kam eine blinde Berufsschülerin bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als sie versuchte, die Straße zu überqueren. Wir sind froh, dass wir dieses Projekt zusammen mit der zuständigen indonesischen Kommune Ende 2010 abschließen konnten.
Alle Mitarbeitenden in der Blinden- und Berufsschule in Medan sind Indonesier. Direktor der Einrichtung ist seit September 2010 der einheimische lutherische Pastor Jhonny Silitonga.
Die HBM ist zusammen mit der einheimischen protestantischen Kirche GKPI, die auch den Leiter stellt, Trägerin dieser großen Einrichtung.


